Kassel (b/man). Die Stadt Kassel sowie einige Gemeinden im Altkreis Kassel haben
gestern spontan auf den Besucherandrang aus der DDR reagiert und beschlossen,
auch am Wochenende einen Betreuungsdienst anzubieten.
Die Stadt Kassel rechnet aufgrund der Öffnung der DDR-Grenze mit rund 2000 Besuchern. Für sie wird im Lesezimmer im 2. Stock des Rathauses ein Betreuungsbüro eingerichtet, das heute von 8.30 bis 14 Uhr und morgen von 14 bis 18 Uhr geöffnet sein wird. Im Betreuungsbüro erhalten die DDR-Bürger – auch die, die keine Zählkarte vorweisen können – das Besuchergeld in Höhe von 100 Mark. Klaus Angermann, der Leiter der Koordinationsstelle, betonte, es sei auch sichergestellt, dass die Besucher kostenlose KVG-Karten sowie sonstige Informationen erhalten. Auch die Unterstützung auf dem Wege der Sozialhilfe für durchreisende Übersiedler sei gewährleistet.
Außerhalb der Öffnungszeiten des Betreuungsbüros im Rathaus steht für die DDR-Besucher am Hauptbahnhof ein Informationsbus bereit. Im Zivilschutzbunker am Hauptbahnhof, Eingang Ottostraße, können Besucher bis zu zwei Nächten untergebracht werden.
Kreisgemeinden
Die Gemeindeverwaltungen von Niestetal, Fuldatal und Fuldabrück bleiben am Wochenende ebenfalls für mehrere Stunden geöffnet, um für Wochenendgäste aus der DDR ansprechbar zu sein und ihnen das Begrüßungsgeld auszahlen zu können. In Kaufungen und Schauenburg werden Bereitschaftsdienste eingerichtet.
Die Gemeindeverwaltung Niestetal wird heute von 8 Uhr bis zum frühen Nachmittag für DDR-Gäste geöffnet sein. Am übrigen Wochenende ist unter der Rathausnummer 0561/52020 ein Bereitschaftsdienst eingerichtet. Außerdem will Bürgermeister Herbst mit dem Kreis über die kurzfristige Einrichtung eines Notquartiers in der Grundschule Sandershausen verhandeln.
In Fuldatal bleibt das Rathaus heute von 11 bis 12 und von 15 bis 16 Uhr sowie morgen von 11 bis 12 Uhr für DDR-Gäste geöffnet, in Fuldabrück heute von 10 bis 12 Uhr. Die Gemeinde Kaufungen setzt auf Flexibilität: Über einen Bereitschaftsdienst (Tel. 05605/3844) sind sowohl Mitarbeiter der Verwaltung (Auszahlung des Begrüßungsgeldes) als auch des Bauhofs (Einrichtung von Notquartieren) erreichbar. In der Schauenburg können über Bürgermeister Erich Schmidt (05601/3398) am Wochenende die zuständigen Mitarbeiter der Gemeinde informiert werden.
In den größten Kommunen allerdings, Baunatal und Vellmar, erkannten die Verantwortlichen keinen Handlungsbedarf. Auch ein Sprecher der Gemeinde Lohfelden stellte fest, dass besondere Vorkehrungen sich erübrigen.
(HNA vom 11.11.1989)