DDR sieht Chance für bessere Beziehungen
"Alles, was an humanistisch-demokratischen Substanzen unterwegs ist, will die DDR kennen lernen." Mit dieser These umriss der Direktor des "Instituts für Literatur Johannes R. Becher" in Leipzig, Prof. Schulz, den Standpunkt der DDR-Kulturpolitiker, nach der Ratifizierung des Grundvertrages auch auf die kulturellen Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten auszudehnen.
In einem dpa-Gespräch nannte der Autor des 1962 erschienenen Buches. "Wir sind nicht Staub im Winde" (Mitteldeutscher Verlag/Halle) in diesem Zusammenhang den Austausch bekannter Theaterensembles, gegenseitige Gastspielverpflichtungen und den verstärkten Ost-West-Bezug von Büchern. Allerdings, so schränkte der Vizepräsident des Schriftstellerverbandes der DDR ein, müssten diese Werke von "humanistisch-realistischem Gehalt" geprägt sein und keine "Gedanken des Antikommunismus" verfechten. Weiter gab der Literaturpraktiker in dem Gespräch zu verstehen, dass im Zeichen der allgemeinen Entspannungspolitik eine europäische Schriftstellervereinigung außerhalb der Pen-Organisation denkbar sei.
Die Leipziger "Poetenschule", die der "gelernte" Pädagoge und Philosoph Schulz seit 1964 leitet, ist neben dem Maxim-Gorki-Institut in Moskau die einzige Einrichtung dieser Art in Europa. In dreijährigen Seminaren werden jeweils 15 Direkt- und 60 Fernstudenten als Schriftsteller ausgebildet. In dem Institut im Leipziger Stadtzentrum unterrichten zehn hauptamtliche Lehrkräfte, Gastdozenten sowie arrivierte Autoren.
Eine erst kürzlich von der Kultusministerkonferenz in der Bundesrepublik empfohlene gemäßigte Kleinschreibung würde von DDR-Seite unterstützt, meinte Schulz auf eine entsprechende Frage.
(Hessische Allgemeine vom 21.3.73)