Schon kurz danach Gespräch über weitere Regelungen
Bonn (dpa). Schon heute, am Tage der Unterzeichnung des Grundvertrags zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, sollen die nächsten Schritte der Normalisierung zwischen beiden deutschen Staaten beraten werden.
Nach Angabe von Regierungssprecher von Wechmar sieht das Programm für den heutigen Tag vor, dass Bundesminister Bahr und DDR-Staatssekretär Kohl zweieinhalb Stunden nach der für 12 Uhr angesetzten Unterzeichnung des Vertrages zu einem politischen Gespräch zusammentreffen, um die sich aus dem Abkommen ergebenden nächsten Regelungen zu erörtern. ...
... Noch vor Vertragsunterzeichnung im Haus des DDR-Ministerrates soll ein Beamter des Bundeskanzleramtes im selben Gebäude den "Brief zur deutschen Einheit" gegen Empfangsbestätigung überreichen. Der Brief besagt – wie beim Moskauer Vertrag -, dass der Vertrag nicht im Widerspruch zum politischen Ziel Bonns steht, "auf einen Zustand des Friedens in Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt". Ob diese einseitige Erklärung auch in der DDR veröffentlicht wird, liegt – so von Wechmar – im Ermessen der Ostberliner Behörden.
Am Mittwoch bekräftigte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Stücklen, die ablehnende Haltung der Union zum Vertrag. Im "Deutschen Wirtschaftsblatt" schrieb Stücklen, damit werde die Teilung Deutschlands in einer Weise fixiert, dass sie von der Welt als endgültige Auflösung des alten Reiches verstanden werde. Dagegen betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Wehner in zwei Presse-Beiträgen, die Opposition stehe vor der Entscheidung über die künftige Weichenstellung ihrer Deutschlandpolitik. Wenn es der Union gelinge, Alternativen deutlich zu machen und sich nicht grundsätzlich Nein zu erschöpfen, "so kann sogar das der weiteren Entwicklung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR dienen".
(Hessische
Allgemeine vom 21.12.1972)