Der "Kleine" blieb klein

Grenzverkehr zur DDR ist morgen ein Jahr alt

Der "Kleine Grenzverkehr" zwischen beiden deutschen Staaten ist kleiner ausgefallen als erwartet. Erhöhte Kosten, schlechtes Reisewetter und teilweise "kleinliche" Kontrollen durch die DDR-Zöllner drosselten den Besucherstrom aus dem westdeutschen Grenzraum in die DDR-Grenzkreise. Die Bilanz des Verkehrs, dessen offizieller Beginn sich morgen jährt, lässt noch manche Wünsche offen. Auch im Ostberliner Verkehrsministerium heißt es: "Der Verkehr ist wesentlich unter unseren Erwartungen geblieben." Über die Gründe dafür wolle man jedoch nicht spekulieren.

Die Statistik lässt den von der DDR verdoppelten Mindestumtausch als einen der Gründe für den Rückgang der Verwandtenbesuche und Tagesausflüge deutlich hervortreten. Seit die Umtauschquoten Mitte November 1973 stiegen, fielen die Besucherzahlen erheblich. Bis Mitte Juni reisten insgesamt 311 000 Bundesbürger im "Kleinen Grenzverkehr" in die DDR.

Die Zurücknahme der Umtauschsätze, davon sind wesentliche Stellen überzeugt, würde den Grenzverkehr neu beleben. Im DDR-Ministerium für Verkehrswesen wird diese Meinung erwartungsgemäß nicht geteilt. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur versicherte der für den Grenzverkehr zuständige Hauptabteilungsleiter, Heinz Gerber, lediglich bei einem Ansteigen der Zahl der Reisenden werde die DDR auch die notwendigen Verkehrsmittel bereitstellen. In den vergangenen Monaten ist ein Teil der Omnibus- und Eisenbahnverbindungen reduziert worden, "weil sie kaum genutzt werden".

Die Besucher, die mit Bus und Bahn fahren, machen etwa ein Fünftel aller Reisenden aus. Die anderen erhalten von den DDR-Stellen die Genehmigung, mit dem eigenen Auto in die östlichen Grenzkreise zu fahren.

(Hessische Allgemeine vom 18.6.1974)

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