"Kurzbesuche Beitrag zur Entspannung und Annäherung"
Wiesbaden (lh/nh). Ministerpräsident Osswald hat am Freitag an die im Grenzgebiet zur DDR lebenden Bürger appelliert, noch mehr von der Möglichkeit des "Kleinen Grenzverkehrs" Gebrauch zu machen. "Die Information über die Situation im anderen Teil Deutschlands, die Begegnung mit Freunden und Verwandten und persönliche Gespräche mit den Menschen in der DDR" dienten einer "weiteren Entspannung und Annäherung der beiden deutschen Staaten", heißt es in einer von der Presse- und Informationsabteilung der Staatskanzlei herausgegebenen Erklärung.
Nach Angaben der Staatskanzlei hat seit Beginn des Jahres 1975 die Zahl der DDR-Besucher im grenznahen Verkehr gegenüber 1974 um rund zehn Prozent zugenommen. Während 1974 insgesamt 45 000 Bürger im hessischen Grenzgebiet zur DDR von der im Grundvertrag vereinbarten Möglichkeit einer "Eintagesfahrt" gebrauch gemacht hätten, seien im ersten Halbjahr 1975 bereits mehr als 25 000 Reisende gezählt worden. Trotz dieser positiven Entwicklung bedauere es die Landesregierung, dass nicht noch mehr Bürger die Möglichkeit des "kleinen Grenzverkehrs" nutzten.
Der Regierungschef hat die Kreise, Städte und Gemeinden, die nicht unmittelbar an der Grenze liegen, gebeten, in stärkerem Maße als bisher ihre Bürger über die Möglichkeiten der Eintagesfahrten zu informieren, da nach den Feststellungen der Landesregierung bei vielen Bewohnern des Grenzgebietes über die Besuchsregelungen noch Unklarheit herrsche.
Osswald wies darauf hin, dass die Landesregierung im Zusammenwirken mit der Bundesregierung bemüht sei, den Tagesaufenthalt auf volle 24 Stunden zu verlängern (zur Zeit können Besuche nur von 0 bis 24 Uhr erfolgen) und die Zahl der Gemeinden im 5-km-Sperrgebiet, das nicht besucht werden darf, zu reduzieren, da vornehmlich hier Verwandte von Bewohnern der hessischen Grenzgemeinden leben.
Schließlich würde die Landesregierung bei bevorstehenden Gesprächen erneut anregen, eine zweite hessische Grenzübergangsstelle einzurichten, um die langen Anfahrtswege zu beseitigen. Für einen zweiten Grenzübergang böten sich die Gemeinden Rasdorf (Kreis Fulda), Philippsthal (Kreis Hersfeld-Rotenburg) und Neu-Eichenberg (Werra-Meißner-Kreis) an.
(HNA vom 26.6.1975)