Auf Westseite meist nur provisorische Bauten
Hamburg (dpa), Die baulichen Vorbereitungen auf DDR-Seite für den im Grundvertrag vorgesehenen "kleinen Grenzverkehr" sind nahezu abgeschlossen. Die DDR hat zum Teil mit erheblichem Aufwand mehrspurige Straßen, überdachte Abfertigungsbahnen und Parkplätze errichten lassen. Dagegen wird in den Grenzkontrollstellen auf bundesdeutschem Gebiet vielfach über "provisorische" Abfertigungsanlagen geklagt.
So wird in Lauenburg der gesamte Reise- und Warenverkehr über nur eine einzige Fahrbahn abgefertigt. Auf DDR-Seite stehen zwölf überdachte Abfertigungsbahnen (je Richtung sechs Bahnen) zur Verfügung. Die DDR-Anlagen in Horst bei Boizenburg waren bereits im Juli 1971 völlig neu errichtet worden. Zu der Situation in Lauenburg erklärte der Vorsteher der Grenzkontrollstelle, Zollamtmann Schrader, dieser Zustand sei kaum noch tragbar, zumal der "kleine Grenzverkehr" weitere Belastungen mit sich bringen werde. Im Interesse der Reisenden sei deshalb der Ausbau der Anlagen – mit dem kaum vor 1976 zu rechnen ist – dringend erforderlich.
An den Grenzübergängen in Niedersachsen Bergen/Dümme (Kreis Lüchow/Dannenberg) – Salzwedel (DDR) und Duderstadt – Teistungen (DDR) sind die Arbeiten an den Übergängen gut vorangekommen. Die Bundesstraße 71 bei Bergen/Dümme ist vom Ortsausgang bis zum Grenzübergang ausgebaut und auf acht Meter verbreitert worden. In der DDR wurde wiederum mit wesentlich mehr Aufwand gearbeitet. Der niedersächsische Minister für Bundesangelegenheiten, Hellmann, betonte dazu, dass die Abfertigung auf bundesdeutscher Seite eine Formalität sei. Schließlich solle der Grenzverkehr erleichtert und nicht durch langwierige Kontrollen erschwert werden.
Auf der Grenzkontrollstelle Herleshausen (Hessen)/Wartha hat die DDR neben der bestehenden Abfertigungsanlage am Bahnhof Wartha eine neue mehrspurige Abfertigung gebaut. Größere Umbauten der Kontrollstelle Herleshausen sind noch im Gespräch.
Im Lübecker Raum hat es nach Angaben von Sprechern des Bundesgrenzschutzes und des Hauptzollamtes Lübeck-Ost im Hinblick auf die zunehmende Verkehrsentwicklung zwischen der DDR und der Bundesrepublik lediglich "Aktivitäten auf der DDR-Seite" gegeben. Auf der bundesrepublikanischen Seite in Schlutup gibt es bis jetzt lediglich eine schmale zweispurige Zufahrtsstraße, einen Schlagbaum und eine Holzbaracke als Abfertigungsgebäude. Sprecher des Hauptzollamtes betonen die Notwendigkeit eines Ausbaus.
In Bayern sind die künftigen Übergänge Rottenbach (Oberfranken)/Eisfeld (DDR) und Außenhausen (Unterfranken)/Henneberg (DDR) so gut wie fertig gestellt. An beiden Übergängen fehlt lediglich noch das Anschlussstück – jeweils nur wenige Meter – der DDR-Fernstraßen zu den Bundesstraßen. Auch hier ist auffallend, dass die DDR großzügige, mehrspurige Abfertigungsanlagen errichtet hat, während auf bayerischer Seite nur Provisorien stehen.
(Hessische Allgemeine vom 19.5.1973)