Viele Busse im "Kleinen Grenzverkehr" fuhren leer

Behörden rechnen mit Anlaufzeit von etwa 14 Tagen

H a m b u r g / H e r l e s h a u s e n (dpa/hbl). Die Busse, die seit Donnerstag im Rahmen des "Kleinen Grenzverkehrs" zwischen der Bundesrepublik und der DDR hin und her pendeln, fuhren am ersten Tag leer – wie in Herleshausen/Wartha – oder nur schwach besetzt. Die Post- und Bahnbusse hatten kurz nach drei Uhr früh den Linienverkehr aufgenommen. Zuständige Stellen rechnen damit, dass noch etwa 14 Tage vergehen werden, bis der Verkehr "richtig läuft".

Die Busfahrer an den Grenzübergängen in Rottenbach (Oberfranken), Herleshausen (Kreis Eschwege) und Lübeck berichteten von überaus genauen Kontrollpraktiken der DDR-Grenzbeamten. In Herleshausen mussten sich die Busfahrer am jenseitigen Kontrollpunkt jedes Mal erneut ausweisen und ihre Fahrzeuge durchsuchen lassen. Bei jeder einzelnen Grenzüberquerung wurden Motor- und Kofferräume genau kontrolliert.

In Rottenbach kamen die Busfahrer mit schmutzigen Fingern aus der DDR zurück: sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise mussten sie Motorhauben und Kofferkästendeckel vor den Augen der DDR-Grenzer öffnen. Trotz ihres Protestes sei diese "pure Schikane" fortgesetzt worden, berichteten die Fahrer.

Ihre stärkste Auslastung fanden die Pendelbusse in Duderstadt, wo innerhalb der ersten Stunden zehn Reisende mit mehrtägigen Aufenthaltsgenehmigungen und eine Tagesreisende von den Möglichkeiten des grenznahen Verkehrs Gebrauch machten. Von Bergen/Dumme aus fuhren drei Personen in die DDR. Einziger Fahrgast des ersten Busses, der Rottenbach verließ, war eine Frau, die telegrafisch zu einem Trauerfall im Kreis Gotha (Thüringen) gerufen worden war. Drei Westdeutsche mit Tagesaufenthaltsgenehmigungen und ein rückreisender DDR-Rentner waren die ersten Fahrgäste im neuen Eilzug zwischen Hof und Plauen, der gestern zum ersten Mal verkehrte.

(Hessische Allgemeine vom 6.7.1973)

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