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Familie Dressler |
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Geschichten an der Grenze |
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Der kleine Grenzverkehr
Der Grenzübergang selbst, dass war
eine Zumutung für einen normalen Mitteleuropäer. Ich will das mal kurz
schildern, wie das von statten ging. Man kam von Herleshausen, wurde
dann von den Westgrenzern kurz durch gewunken und kam dann durch das
Niemandsland an die DDR Grenze. Ungefähr einen Kilometer vor der
eigentlichen Kontrollpunkt wurde man bereits zum ersten Mal angehalten.
Hier kontrollierte ein Grenzer, ob die Papiere, also Reisepass, Visum,
Zählkarte, Zollerklärung, ob das alles vorhanden war und dann durfte man
weiterfahren. An dieser Stelle war bereits, neben der Straße eingelassen,
ein dicker Betonriegel, der also vorgefahren werden konnte um einen
gewaltsamen Grenzdurchbruch, wie das so hieß, zu vereiteln. Dann
fuhr man also bis zum Ende der Autoschlange, die bereits da stand und
jetzt kam der nächste Kontrolleur, ging also die PKW Schlange
entlang und sammelte die Pässe und die Papiere ein. Er machte diese dann
pro Auto in eine Mappe und legte die dann auf das Transportband, welches
dann in die Kontroll-Baracke lief. Dann ging es schrittweise vorwärts bis
zu dem Schalter der Kontroll-Baracke wo die Gesichtskontrolle stattfand
und vor diesem Schalter war ungefähr in 5 Metern Entfernung ein weißer
Strich und diesen Strich durfte man mit dem PKW nur überfahren wenn man
das Handzeichen des betreffenden Grenzers bekam. Ich hatte also einmal, als mein Vordermann weg fuhr, der war schon kontrolliert,
fuhr also ohne das Handzeichen nach vorne. Da sprang der Grenzer aus
seiner Bude und sagte: Wenn Sie das nicht lernen, werde ich das mit
Ihnen üben. Ich musste also wieder zurück fahren und konnte dann auf
Handzeichen des Grenzers nach vorne fahren.
Ja, also als 1945 unsere Familie ausgewiesen wurde aus dem Sudetenland, blieb sie in Thüringen hängen. Ich habe noch drei Schwestern, und ich selbst war in 1945 in Gefangenschaft und kam also erst nach Erfurt und dann nach Bad Langensalzach. Meine zwei Schwestern, die jüngste und die mittlere Schwester, sind in Langensalzach geblieben, und meine ältere Schwester ist nach Erfurt. Ich bin 1948 nach dem Westen und dem zufolge öfters mal in die damalige Zone gereist. Und als der kleine Grenzverkehr begann, waren wir heil froh, denn dann durften wir ein Visum beantragen, das galt für ein halbes Jahr, und in diesem halben Jahr konnten wir acht Mal in die DDR fahren. Was ich dabei erlebt habe, darüber könnte man ein Buch schreiben. Denn jeder, der mal rüber gefahren ist, der weiß, was
bei jeder Kontrolle an der Grenze los war. Also, ich kann mich erinnern
zum Beispiel, dass ich mal drüben war und mir einen Nussknacker besorgt
hatte. Allerdings muss ich sagen, es war kein normaler Nussknacker, sondern
der hatte. .. sozusagen 80 cm war er hoch und der kostete damals
drüben 365 Ostmark. Und da man nur für 25 Mark, also im Wert von 25 Mark,
etwas mitnehmen durfte, weil man ja nur einen Tag da war, so konnte ich
natürlich normalerweise diesen Nussknacker nicht mitnehmen. Und ich habe
aber den Preis abgemacht und habe den Nussknacker in den Kofferraum gelegt
und habe auf die Zollerklärung geschrieben: einen Nussknacker – wobei
die Größe natürlich nicht angeben war. So, der Nussknacker passte genau
in den Kofferraum von meinem Mercedes. Ja, so jetzt kam ich an die Grenze.
Der Zöllner guckte nach der Zollerklärung, las einen Nussknacker, sagte
zu mir: "Zeigen Sie mir den Nussknacker." Ich machte den Kofferraum
auf und holte den Nussknacker raus und stellte ihn so auf die Erde. Er
guckte natürlich verdutzt, weil er wahrscheinlich noch nie so was gesehen
hat und sagt: "Was kostet dann der?" Ich sage: "Das weiß
ich nicht, den hab ich geschenkt bekommen." "Ja," sagte
er, "aber der hat doch bestimmt einen Haufen Geld gekostet.
"Ja," sagte ich, "das tut mir leid." Da ging der nochmals
in die Bude rein, holte den Offizier raus. Der beguckte den auch noch
mal, dann ging er wieder rein, und sie haben sich noch mal beraten. Dann
kam er wieder und sagt: "Ach packen Sie ihn ein. " Die Wurst
In meinen Unterlagen ist auch noch die Erklärung, wo mir
die ganzen Waren, die ich mitgebracht habe, von den Grenzern abgenommen
wurden. Es waren an sich nur Lappalien, es waren Würstchen, ne Leberwurst,
ne Blutwurst, da doch unsere Verwandten oder meine Verwandten, die wollten
natürlich auch uns was mitgeben und wollten uns nicht nur was bringen
lassen. Der Radiorecorder
Oder eine Sache fällt mir gerade ein, da muss ich heute noch schmunzeln. Mein Schwager in Bad Langensalzach, also in der DDR, der hatte lange gespart, um sich 300 Westmark zu besorgen für einen Radiorecorder, und als er das Geld beisammen hatte, gab er mir das Geld mit. Ich gehe in das Geschäft hier, kaufe den Radiorecorder und nehme ihn mit. Trage ihn natürlich nicht ein, weil ich natürlich nicht wusste, wie ich handeln sollte. Ob ich jetzt sage, er gehört mir, oder ich nehme ihn mit als Geschenk. Aber Geschenke in elektronischen Dingen, die waren ja verboten. Also, ich komme an die Grenze, der Zöllner kontrolliert mich und sagt: "Was ist hier mit dem Radiorecorder?" Ich sage: "Der gehört mir, wir haben drüben ein Fest, und da soll ich die Bänder drüber laufen lassen. "Ok", hat er gesagt, "dann schreib ich ihn aber hier ein." Er hat sie mir selber in die Zollerklärung eingeschrieben. Und jetzt komme ich zu meinem Schwager in Bad Langensalzach. Ich sage zu meinem Schwager: "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für dich. Welche willst du zuerst hören?" Sagt er: "Die Gute." Ich sage: "Die gute ist, ich hab für dich ein Kofferradio mit." "Ja," sagt er, "und nun die Schlechte." "Ja," sagte ich, "ich muss es wieder mitnehmen, weil ich es ja nicht eingetragen habe." Und prompt an der Grenze haben sie mich gefragt: "Haben sie den Recorder wieder mit dabei?" So hab ich ihn wieder mit heimgenommen und dann hab ich ihn zerlegt. Die Lautsprecher extra und das Gerät extra. Und bei der nächsten Fahrt ist es mir gelungen, den Recorder doch zu meinem Schwager zu bringen.
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