Mathilde
Gögel war eine der Ersten, die Tagesfahrten in die ehemalige "DDR"
organisierte und betreute.
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„Ich war in der Volkshochschule des Landkreises Kassel beschäftigt, und
zwar in der Außenstelle Wolfhagen, für die ich verantwortlich war.
Wir haben hier selbst unser Programm aufgestellt ... und konnten uns so
mehr auf unsere Landbevölkerung einstellen. Eines Tages kamen da auch die
Tagesfahrten in die DDR dazu, weil Kassel ja nun mal im Grenzbereich lag.
Ich habe mich dann an die entsprechenden Institutionen gewand, um zu
erfahren, welche Ziele wir anfahren konnten. Da war einmal Eisenach, der
Thüringer Wald, Weimar, Erfurt, Quedlinburg, Wernigerode und
Halberstadt." |
Doch es war nötig, sich vor der
Einreise in die "DDR", eine Erlaubnis bei der betreffenden Regierungsstelle
dafür einzuholen.
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"Die Leute haben von uns das Visa
bekommen, das haben sie ausgefüllt und wir haben die dann gesammelt
eingereicht. Die gingen dann nach Berlin, denn die musste man vier
Wochen vorher einreichen. Und wenn jemand nicht erwünscht war, kam das
Visa nicht zurück!" |
Und wie war es direkt am Grenzübergang?
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"Manchmal musste man in das kleine Kontrollhäuschen hineingehen ... und
dann musste man die Taschen ganz und gar ausleeren. Es durfte niemand nur
so durchgehen, es wurde sehr, sehr scharf kontrolliert. Die Grenzer hörten
es nicht gerne, wenn Reisende ihre Verwandten besuchen wollten. Da wurden
Geschenke mitgebracht, Kleidungsstücke zum Beispiel. Und es wurde
immer genau in unser Portemonnaie geguckt ... Es wurde genau festgehalten, wieviel
drin war ... abends, als wir zurück kamen, sollten wir Auskunft
darüber geben, wo wir denn das Geld gelassen haben." |
Wer einreisen wollte, war zu einem so genannten
Zwangsumtausch von West-Mark gezwungen.
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"Zusätzlich zum Zwangsumtausch konnte man noch mehr Geld umtauschen,
Das man dann aber auf dem Rückweg wieder in D-Mark zurücktauschen
konnte."
An einem Sonnabend kam mal ein Offizier mit den Pässen zu mir und sagte in
einem unheimlich scharfen Ton: "Kommen sie mal mit rein ..." Ich wurde
dann erstmal in ein separates Zimmer geführt, und da saß ich dann
voller Spannung. Der kam wieder zurück und sagte: "Was haben sie da gesagt?"
Ich wusste gar nicht was er meinte, aber er behauptete, ich hätte die
Reisenden falsch informiert. Nach einiger Zeit durfte ich wieder
gehen. Alle dachten schon, ich würde nicht mehr frei kommen ...
Zuhause hat mein Mann mir erklärt, dass die Busse mit Mikrofonen
abgehört wurden ..." |
Zeitungen wurden an der Grenze angesehen wie
heutzutage Drogen.
Schließlich handelte es sich um mögliche Westpropaganda. Bücher natürlich
genauso ...
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"Ich habe unterwegs schon immer gefragt, ob jemand Zeitung dabei hat.
'Geben sie es bitte an der Westseite des Grenzübergangs ab. Wir dürfen
sonst nicht weiterfahren!' Ich habe es von anderen Gruppen erfahren.
Der Bus muss sonst an die Seite und sie stehen stundenlang da, wegen so
einer Lappalie ( für uns ) ... Keine Illustrierten, gar nichts, nicht mal
Modezeitungen ... Auch Bücher durften nicht mit über die Grenze
genommen werden, ... und wurden den Leuten abgenommen." |
Als der Bus über die Grenze gefahren war, ging
die Überwachung natürlich weiter ...
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"Dann kam der Reiseleiter. Am Anfang gleich nach der Grenze, später
durften die erst in der Stadt zusteigen ... Später habe ich erfahren, dass
auch unter den Reiseleitern Spitzel waren. ... sie haben uns auch immer
voller Stolz von ihren 'tollen' Errungenschaften erzählt. Sie haben voller
Stolz darauf hingewiesen, was sie für schöne, große Plattenbauten hatten,
das war ja für sie etwas ganz besonderes ... wie billig bei ihnen doch
der Lebensstandard war ... niedrige Grundnahrungsmittelkosten, niedrige
Mieten ...
Allerdings muss ich selber sagen, dass die sozialen Einrichtungen in
der DDR wirklich besser waren als bei uns !" |
Und dann war man endlich "drüben" ...
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"Wir sind immer in guten Gaststätten untergekommen, aber immer in
separaten Räumen, nicht mit der Bevölkerung zusammen. Wir sollten
möglichst wenig Verbindungen bekommen, und die Leute sollten auch nicht
sehen, dass wir besseres Essen hatten ... schließlich bezahlten wir ja mit
West-Mark ...
Außerhalb haben die Leute dann aber doch Kontakte geknüpft, denn das war
ihnen ja sehr wichtig ... Daraus haben sich auch Freundschaften
entwickelt, wie bei mir auch ..."
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Der "kleine Grenzverkehr" ermöglichte
es den Menschen endlich, die eigenen Verwandten
trotz des "eisernen Vorhangs" wieder zu sehen.
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"Es sind immer regelmäßig Menschen mitgefahren, die Verwandte
"drüben"
hatten, ... und weil die Leute Angst hatten allein über die Grenze zu
fahren ... weil die Verwandten zu weit weg wohnten ...
Mit dem Reisebus war das ja die einfachste Lösung, ... wir treffen uns
dann einfach in Eisenach auf dem Marktplatz. Die haben sich dann
abgesondert, ... und haben den ganzen Tag mit ihren Verwandten
verbracht ..."
"So gut auch alles am Tag gelaufen war, wenn man am Abend an die
Grenze zurückkam, war es einem immer so, als würde die Kehle
zugeschnürt sein ... nicht nur mir, sondern auch den anderen. Und mir,
obwohl ich jahrelang die Tagesfahrten gemacht habe ... Irgendwo waren
wir froh, wenn wir wieder zurückfuhren und die Grenze hinter uns
hatten. Wir haben dann alle aufgeatmet." |
Ein Film von Elena
Strempek und Arne Siebling
© 2001 |
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