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Rita und Werner Mangold

Einreisen mit Hindernissen

Rita und Werner Mangold vor ihrer Heirat

Werner Mangold, geb. am 23.06.1921 in Berlin-Friedrichshain. Arbeitete bis zu seinem Ruhestand 1982 in der Landeskreditkasse in Kassel.

Rita Mangold, geb. Pfeil, geboren am 05.06.1925 in Kassel.
 

Beide lernten sich 1941 in Rothwesten kennen, wo Werner Mangold bei der Luftwaffe beschäftigt war. Sie heirateten 1941 und leben seitdem in Kassel

 

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Och, das ist schon immer mit, bevor die Verordnung da mit dem kleinen Grenzverkehr kam, da waren wir ja schon viel in Berlin und da haben wir bei meinen Eltern, da mussten von denen die Einreise bei der Volkspolizei beantragt werden. Und da hat die Volkspolizei erst mal alles durchforscht, ob sie überhaupt rüber dürfen oder wenn die ne sagten, dann war eben nix. Und dann kriegten wir die Einreise. Wir hatten uns politisch nicht engagiert, weil wir neutral bleiben wollten in der Beziehung und dann kriegten sie von denen die Einreise. Aber der kleine Grenzverkehr war dann so, dass wir uns in diesem kleinen Bereich hier – wir gehörten zum kleinen Grenzverkehr in Kassel und dadurch konnten sich in dem kleinen Bereich selber Grenzverkehr machen, ne, so wies sie's wollten, da brauchten die Angehörigen in der DDR drüben keine Aufenthaltsgenehmigung veranlassen und wenn man das eben dann mal miteinander kuppeln wollte, dann haben wir uns dann eben in Oberhof, oder wo's dann eben war, getroffen. Dann waren die zufällig da und wir waren zufällig da und dann haben wir uns getroffen ja.
 

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Mitbringsel für den Osten 

Och Gott, na ja sie standen dann inner Riesenschlange, waren meistens dicke Schlangen, da wurde man auch kontrolliert bis auf die letzte Schraube. Zum Teil haben sie die Autos auseinander geschraubt, ja, und haben kontrolliert und wir wussten, was lose war, wir haben immer schon alles aufgeschrieben, was mer mitgenommen haben, was die Verwandte haben wollte, und dann vor allen Dingen, durfte man keine Zeitung dabei haben. Zeitungen wollten sie gar nicht, Zeitungen, Illustrierten und Vorwärts, Feuerwehrkörper und so was, wer nimmt so was mit über die Grenze? Modekataloge haben sie nachgesucht, ja wie war denn das: Otto Versand, ja, da waren sie, auf Otto-Versand die Kataloge hatten sie gerne da drüben, die wollten sie haben.
 

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Eine Beerdigung mit Folgen

Ach so, wie meine Tante, das war noch auf den Schluss, in 89, ist die Tante gestorben, in Hergeshallenberg, die wollten wir besuchen und als wir hinkamen, da war die gerade einen Tag zuvor gestorben. Und dann sind wir nach 14 Tagen zur Beerdigung rübergefahren, sie wurde verbrannt, und die Urne beigesetzt und dann sind wir zur Trauerfeier gefahren und hatten wirklich nichts bei als nur den Kranz und Blumen. Nur der Kranz. Und wurden natürlich an der Grenze bei der Einfahrt über 1,5 Stunden aufgehalten und bei der Ausfahrt genauso, also wir waren bis 12 Uhr noch über die Grenze, wo wir zurückmussten. Frage: Es galt aber doch eigentlich nur für 24 Stunden? Ja, wir standen ja im Grenzbereich in der Schlange. Wir waren ja schon bei denen, oder noch auf denen ihrem Gebiet drüben, aber die haben sich vorne lieber Witze erzählt und lauthals gelacht dadrüber und wir standen in der Schlange und haben sie einfach stehen lassen. Nur aus Schikane. Das war mein Wort. Nur aus Schikane. Es waren nicht alle so, es waren auch Leute, die haben sich ordentlich benommen, aber zum Teil haben sie sich ausgetobt dabei.
 

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Die Grenzerin und der Lichterbogen

Und hatten von Verwandten einen handgeschnitzten Lichterbogen aus dem Erzgebirge. Schwipp, Schwippbogen nannten sie's drüben, geschenkt bekommen, und den wollte die an der Grenze uns unbedingt abnehmen und da hörte ich noch, wie der Chef drinne sagte, das kannst du nicht machen, das ist erlaubt, das dürfen sie mitnehmen. Und da hat sie uns noch in der eisigen Kälte an der Seite noch bald ne dreiviertel Stunde stehen lassen. So, und dann ist sie gekommen und hat gesagt – Sie können jetzt fahren. Naja, das war auch eine, die war nichts, aber es gab auch angenehme, aber gerade, weil es hieß, die Frauen, die wären so schlimm, vom Grenzverkehr, das kann man nicht, können wir persönlich nicht sagen, wir sind zweimal von einer Frau kontrolliert worden, die war sehr anständig, sehr nett, danke schön, bitteschön wie sich das an der Grenze gehört.
 

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Einkauf im Intershop

Was haben sie so gerne gehabt? Ananas? Ja, Kaffee vor allen Dingen, ja Kaffee. Ja, haben wir dann nachher mal rausgekriegt, wenn sie drüben im – wie nannten die sich? – Intershop – Im Intershop, wenn wir drüben im Intershop für unsere Westmark, konnten wir ohne Weiteres kaufen und es war nicht teurer als bei uns. Und das brauchten wir dann am Zoll nicht anzugeben. Da sparten sie am Zoll "Hatten Sie nichts ..." und dann gingen sie drüben in den Intershop rein und kauften drüben erst ein und dann hatten sie keinen Ärger an der Grenze ne.
 

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Kleidergröße 37

Da haben sie uns kontrolliert, weil wir ein Nylonhemd für meinen Bruder dabeihatten, das ich nicht angegeben hatte. Ich hatt's nicht angegeben auf der Einfuhr, dieser Bescheinigung, und hab’ gedacht, och Gott, um so ein Hemd. Und da spricht der bei der Kontrolle, sagen Sie mal, das Hemd ist doch nicht für Sie, das ist doch in Größe 37, sie haben doch Größe 43, wie ich damals hatte. Und naja also, ich musste praktisch zugeben, dass ich das vergessen hatte aufzuschreiben, ne, und da haben sie uns dann links gemacht, die Frau sollte ihre Handtasche, jedes Stück auspacken. Und da hat sie in ihrer Wut die Tasche umgedreht und kurzum, ihm alles auf den Tisch geschüttet was in der Tasche war, naja, die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.

 
Ein Film von Ingeborg Kubesch
© 2001
 

 
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