Tel. Durchsage Chefinspekteur P. am 28.5.52 - 00.45 Uhr
Die Volkspolizei-Kräfte der
Wacheinheit Halle sind um 04.20 Uhr in Marienborn
Vor Beginn der Aktion wurden alle Agitatoren und
auch die Volkspolizei- Angehörigen durch den 1. Kreissekretär und den Genossen
des ZK sowie dem Kreisvorsitzenden der Nat. Front eingehend geschult.
Diese Aktion begann pünktlich, wobei durch uns als Volkspolizei 5 Brigaden gebildet wurden mit je einem Angehörigen der Abteilung - S - K - PM.. Diese 5 Brigaden erhielten jede ca. 25 - 26 Familien zur Benachrichtigung. Die erforderlichen Kraftfahrzeuge wurden durch die Kreisverwaltung privat gestellt und der Treibstoff wurde von der Volkspolizei gegeben.
Die Benachrichtigung erstreckte sich bis gegen 24.00 Uhr und erhielt Erschwerungen durch minderwertige Kraftfahrzeuge und durch Unrichtigkeiten in den Grundlisten. (z.B. Freienhagen, Schachtebich).
Um den Abtransport taktisch richtig durchzuführen, wurde am 06.06.1952 eine Sondersitzung durch den Vertreter des ZK,VPKA - Leiter, Beauftragter des Chefs der VP im Lande Thüringen und einem Vertreter des M.f.S. durchgeführt. Es sollte erreicht werden, dass der Abtransport vorverlegt wird, damit das Verladen in einer Zeit wo die übrige Bevölkerung noch schläft, geschieht. Diese Maßnahme erwies sich als taktisch richtig. Die Gestellung der Fahrzeuge und Arbeitskräfte erfolgte pünktlich und der Abtransport der Fahrzeuge begann um 01.00 Uhr.
Bereits um 02.30 Uhr trafen die ersten Familien au dem Bahnhof zur Verladung ein. Die Bevölkerung in den einzelnen Ortschaften hatte kaum etwas wahrgenommen, dass die Auszuweisenden zum Abtransport gekommen waren. Schwierigkeiten traten keine auf. So konnten bis zum 07.06., 07.00 Uhr ca. 60 Prozent aller Abtransporte aus den bis 12.00 Uhr, außer 2 Familien, welche von Ecklingerode verspätet gegen 01.45 Uhr am Verladebahnhof eintrafen. Grund hierfür war, dass sie nach der Benachrichtigung durch die Volkspolizei versuchten, illegal die Demarkations-Linie zu überschreiten, sie jedoch von der Grenzpolizei festgenommen werden konnten.
Der Abtransport aller Auszuweisenden erfolgte in 2 Sonderzügen in Richtung
Altenburg und Wolfen / Sachsen - Anhalt,
Pünktlich um 15.40 Uhr bzw. 16.10 Uhr. Die Betreuung der Umgesiedelten war genau noch Plan und alles ging ohne Zwischenfälle vor sich. Die Bevölkerung Heiligenstadt nahm kaum Anstoß an dem Geschehen, da sie durch Absicherung des Bahngeländes und der umliegenden Straßen, einen Zugang zum Bahnhof hatten. Die soziale und hygienische Betreuung war gut. Essen und Geld wurde verabreicht.