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Jörg Zitzmann

Ost-Grenzer von 1969 bis 1971

Dienst an der Grenze

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Ich sag mal ich hab mein Dienst so bestmöglich gemacht, ausgeführt so gut wie möglich. Ich hab das gemacht, das was ich für den Staat gemacht habe ich gedacht, muss ich so gut wie möglich machen.

Ich bin eingezogen worden als ganz normaler Wehrpflichtiger bin ich eingezogen worden nach Eisenach in die Ausbildung, Grundausbildung, ein halbes Jahr, dann hier Raus versetzt worden nach Geisa, 69 im Frühjahr und wie gesagt bis Herbst 1971 dann hier in Geisa gewesen.

Da war ich im Kompanietrupp, und da musste ich in dem Zusammenhang, musst ich oft mit hier vorne Streife laufen, hier auf diesem wie der Weg jetzt hier verläuft und von da unten von der Wegbiegung da ging der Abschnitt Geisa-Spahl, da verlief der Abschnitt und da musste früh und abends, musste immer hier einmal abgelaufen werden. Und da war ja hier noch der Bereich also glatt gemacht, damit kein Gras gewachsen und nichts, so das man Spuren wenn eventuell Welche hier durch sind, dass man da noch die Spuren erkennen konnte. Und aus diesem Grund musste das eben einmal Früh und einmal abends abgelaufen werden, und einmal in der Richtung von links nach rechts, wie man sagte und einmal von rechts nach links, also von Spahl Richtung Geisa oder von Geisa Richtung Spahl. Und das ist also jeden Tag gemacht worden.

Da ist man so zirka, so zwei Stunden hier unterwegs gewesen, auf diesen ungefähr vier Kilometern.

Der Alltag der verlief eigentlich so nach Dienstplänen, die dann immer so, für uns nicht wöchentlich, bekannt waren, für uns immer nur für den nächsten Tag, aber gemacht wurden die Dienstpläne wöchentlich, so das eigentlich so jeder Vorgesetzte wusste, was in der Woche läuft und uns wurde dann immer nur für den nächsten Tag bekannt gegeben, "Also du läufst morgen Früh um Vier meinetwegen im Sommer, da war es eben um Vier, wenn es hell wurde, läufst du mit dem und dem Genossen von rechts nach links den Abschnitt ab". Und ja da wurde man früh morgens eingewiesen von dem dienst habenden Offizier was draußen so los war in der Nacht oder am vergangenen Tag und dann Verhaltensregeln gegeben.


Verhaltensregeln

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Meisten in der Art sagen wir mal, wenn man eben welche angetroffen hat, ob das der BGS drüben war und der hat irgendwas was gesagt zu uns oder so, meistens war es dann so, das sie gesagt haben: "Ihr sagt gar nichts kein Kontakt zum Klassenfeind", wie er ja genannt wurde, egal ob es jetzt BGS war oder ob es der Zoll war, oder hier hinten, im Hintergrund hier die Amis, die ja auch immer irgend was von sich gegeben haben, wenn man hier vorbei ist. Aber da wir ja kein Englisch konnten haben wir auch nicht verstanden was die wollten, oder was die uns eben gesagt haben. Und da sind wir meistens hier nur vorbei und haben uns eigentlich gar nicht irgend wie geäußert, was ja auch selbständig verboten war, dass man mit denen in Kontakt getreten ist.

Die haben zum Beispiel gesagt das eine Mal das war in Wiesenfeld hinten, "wünschen wohl geruht zu haben" wir haben dann nichts gesagt, weil wir nichts sagen durften und der Eine hat dann gesagt "na alles Halbrussen" das war es. Na ja wir sind dann eben weiter gegangen das war die Einzige wo ich mich so noch erinnere weil das so ein bisschen Spektakulär war so die Äußerung "alles Halbrussen" ja da hat man sich auch geärgert hat gesagt: "die Spinnen wohl "Halbrussen" nein das war so das Einzige Mal wo ich so mit denen mal so direkt verbal so Kontakt hatte.
Ja ansonsten der Dienst war eigentlich ich sag mal aus meiner Sicht also kein harter Dienst oder ein hartes Soldatenleben, das war eigentlich recht ich sag mal trotz aller Vorschriften recht locker und so, würde ich sagen.

Hauptaufgabe die Grenze sichern, bewachen Richtung Zaun also Richtung Feind wie es genannt wurde und dann Richtung Hinterland das eben vom Hinterland keiner irgendwie die Möglichkeit hatte Richtung Grenze durchzukommen oder überhaupt die Grenze zu überwinden. Ja und dann wurde ja immer noch erzählt, dass der Klassenfeind uns auch äh ja an uns will und der musste dann auch beobachtet werden und die ganzen Bewegungen die jetzt der Amerikaner drüben machte beziehungsweise der Bundesgrenzschutz oder auch der Zoll jede Fahrzeugbewegung jeder Fahrzeugtyp das musste alles dann rein gemeldet werden, wann waren die unterwegs, von da bis da, meinetwegen, ob von Setzelbach sagen wir mal in Richtung Rasdorf, in der Zeit von bis, das musste alles eben festgehalten werden und dann gemeldet werden.

Flucht war für mich überhaupt kein Thema weil ich war in dem Staat groß geworden und ich hab eigentlich für den Staat, eingestanden und das war für mich nie irgendwie mal ein Gedanke, dass ich gesagt hätte "könntest ja auch da drüben gehen".
Das Abhauen war eigentlich Tabu, da wurde sich nie drüber unterhalten das da einer mal geäußert hätte ich tät ja vielleicht einmal oder stell dir mal vor wir hauen ab oder so was, das war eigentlich nie ein Thema was untereinander diskutiert wurde also mit mir nicht ich wüsste eigentlich auch nicht von anderen so.


Grenzverletzung

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Versuche hat es gegeben und zwar von Einem der mit hier auf Wache war hier draußen ein Postenpaar und da hat das einer versucht in der Nacht also der sein Postenpartner hat geschlafen und da hat der das versucht abzuhauen und der ist aber dann dabei erwischt worden und ist dann; ja da hat es Gerichtsverhandlung gegeben und ist dann eingesperrt worden.
Und einer hat es ja geschafft der ist auch abgehauen. Einfach übern Zaun Kompanie Rasdorfer Straße übern Zaun hier hoch übers Feld und hier drüber. Da war noch der alte Zaun nicht der der hier im Hintergrund ist sonder der da vorne, am hellerlichte Tag. So na ja, da gabs dann natürlich auch Untersuchungen und so aber die, da hat sich eigentlich auch dann nie irgendwie was rausgebildet das da noch vielleicht noch einer was davon gewusst hätte oder so das war so ne Einzelaktion und das hat geklappt und das war es.
Und ein anderen Fall ist noch aufgetreten das ein Posten seinen Postenkameraden praktisch erschossen hat, der angeblich abhauen wollte das war hier in Wiesenfeld passiert wie da die Hintergründe warn das hat sich eigentlich dann alles so nach der Wende dann herausgestellt, is auch mal im Fernsehen gekommen das da auch die Stasi mit im Spiel war aber so die genauen Zusammenhänge so da kann ich mich auch nicht dazu äußern, da weiß ich auch nichts ich weiß auch nur das, was dann so nach der Wende dann im Fernsehen über den Fall gekommen ist.
 


Schießbefehl

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Könnt ich mich nicht entsinnen, das einer mal sich geäußert hätte Mensch hier schießen wir oder schießen wir nicht oder so in der Art das wurde eben befohlen jedes mal wenn es auf Wache ging, wenn es hier raus ging wurdest du vergattert und dann wurden die Verhaltensregeln also festgelegt da wurde eigentlich nie drüber diskutiert auch so im engsten Kreise nicht dass man sagt ma von Mann zu Mann, dass man da mal gesprochen hätte, was würdest den du machen wenn jetzt einer käme oder so also kann ich eigentlich kann ich mich nicht entsinnen das man da drüber mal diskutiert hätte aber vielleicht auch aus dem Grund weil man nie wusste mit wem spricht man, denn ich sag mal ein Stasioffizier war immer auf der Kompanie und wer da noch so da dabei war das hat man ja gar nicht gewusst obwohl man hat es auch gar nicht so geahnt aber darüber ist eigentlich nie gesprochen worden so.
Ich sag mal man war vielleicht froh, dass man nicht schießen musste aber es ist auch ich sag mal selber bin ich auch nie in so ne Situation gekommen aber also es wäre jetzt vermessen von mir zu sagen "ich hätte geschossen oder ich hätte nicht geschossen" das kommt vielleicht immer auf die Situation drauf an und vielleicht heute aus der Distanz zu sagen und aus den zehn Jahren jetzt nach der Wende jetzt hier zu sagen "Ich hätte garantiert nicht geschossen" was ja vielleicht mancher von sich behaupten würde aber ich könnt nicht sagen, das ich damals vielleicht nicht geschossen hätte, käme einfach auf die Situation drauf an nun war ja so meine Einstellung war ja auch so das ich gesagt habe ich war ja für den Staat eingestellt das war ja mein Land und ich hab das auch so gesehen, das ich für das Land hier steh ich hab mich nicht irgendwie gezwungen gefühlt sag ich mal so, obwohl ich ja eingezogen war aber ich hab mich nicht in dem Sinne zu irgendwas gezwungen gefühlt, was ich eigentlich gar nicht wollte also so eine Einstellung hab ich auch nicht gehabt ich hab eigentlich gemacht und hab gesagt das ist ok. für mich war das in Ordnung. Nun war ich 18 Jahre 18 mit 21 wieder fort da ist man ja auch noch ich sag mal noch nicht so ausgeprägt das man sagt das man weiß das man gewisse schon Grundsätze schon Grundlinien hat die man eigentlich so charakterlich sich festgelegt hat das ist ja alles noch dort in dem Alter würde ich mal aus der heutigen Sicht sagen wo man sagt es ist alles noch noch offen.
Also man ist schon hier draußen gewesen mit einer ernsten Einstellung das man sagte, wenn ich hier den Dienst mach, da muss ich ihn auch richtig machen und man hat auch hier also die Zeit wirklich also den Dienst so verbracht das man sagt ich bin hier auf Wache und Wachdienst muß von der ersten bis zur letzten Minute ordentlich ausgeführt werden.

 
Ein Film von Florian Tiller und Marcus Sahm
© 2001
 
 

 
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